Ab dem Sommer sind wir Bauern.

Am Freitagabend machte ich mit meiner Mutter einen Waldspaziergang. Als wir an einer großen Wiese vorbeikamen, standen da zwei junge Männer, von denen mir einer ein Prospekt in die Hand drücken wollte. Ich dachte schon „yay, jetzt wirste schon mitten im Busch mit Werbung belästigt“ und lehnte freundlich ab. „Da geht’s um ’nen Acker zum Selbstbewirtschaften!“ rief mir einer von beiden hinterher. Ich also mal flink zurückgesputet und mir mit einem freudigen „Oh! Dann doch!“ so einen Wisch gegrabscht.

Der Freund und ich sind von der Idee ziemlich begeistert. Das Konzept ist ganz simpel:
Man mietet sich zum Preis von umgerechnet 40 € pro Monat 40 m² Ackerland. Dieses ist bei „Inbetriebnahme“ bereits mit rund zwanzig Gemüsesorten in Bioqualität bepflanzt und wartet nun darauf, dass wir es hegen und pflegen und, natürlich  das Beste: Ernten.
Im Preis mit inbegriffen sind außerdem regelmäßige Beratung, weitere Pflanzpakete zum Nachsäen, alles Nötige an Werkzeug sowie Wasser und Dünger. Außerdem gibt es einen gemeinschaftlichen großen Kräutergarten.
Perfekt, dachten wir uns. Der zukünftige Acker liegt keine acht Minuten Radweg von uns entfernt, und fünf Euro pro Person und Woche für Biogemüse sind ein Witz. An Arbeit müssen wir wöchentlich mit ca. 1-2 Stunden rechnen, in der Hochsaison etwas mehr, im Spätherbst deutlich weniger.

Noch schöner wurde das Ganze dann heute, als wir erfuhren, dass gute Freunde sich dort ebenfalls einen Anteil gesichert haben. Wir werden uns nun also erkundigen, ob unsere Felder direkt nebeneinanderliegen könnten. So können wir Gemüsesorten bei Bedarf tauschen und uns, wenn eine Seite z.B. mal durch Urlaub o.ä. ausfallen sollte, gegenseitig aushelfen.
Ich sehe uns da schon mit den Freunden in ollen Karohemden in der Sonne an einem lauen Sommerabend, die eine Hand voller Kartoffeln, in der anderen ein kühles (Malz)Bierchen.
Und freue mich sehr darauf.

Wenn das für Dich auch spannend klingt, schau mal hier, vielleicht gibt es sowas ja jetzt oder bald auch in Deiner Nähe. Hier noch ein kleines Video dazu:

Hier gibt’s was für umme: Taschenverlosung!

Schon lange geplant und jetzt endlich mal die Zeit (und Gesundheit, nachdem mich eine Erkältung eine geschlagene Woche niedergestreckt hat) zum Nähen gefunden.
Zu gewinnen gibt’s eine selbstgenähte Patchwork-Tasche.

Wer mitmachen will, schreibt einfach einen Kommentar unter diesen Beitrag, gern mit Wünschen, was ihr hier in Zukunft am liebsten lesen würdet.

Zeit dazu habt ihr bis nächsten Sonntag, den 19.01.2014 um 20 Uhr.

Viel Glück!

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Rabenschwarzer Besuch.

Kürzlich sah ich an einem frühen Freitagabend von meinem Fenster im zweiten Stock aus etwas kugeliges Schwarzes unten im Laubhaufen hinterm Rhododendron hocken. Ich dachte an ein entlaufenes Meerschweinchen, denn so sah das aus der Ferne aus.
Als ich dann in den Garten ging, um mir das mal näher anzuschauen, blinzelten mich hinter einem spitzen, schon recht furchteinflößend aussehenden Schnabel zwei kluge, dunkle Augen an.
Ich dachte zuerst an ein etwas dämliches Krähenweibchen, dass sich schlicht den falschen, weil gefährlichen Platz zum Nisten ausgesucht hatte, erkannte aber dann schnell, dass es sich wohl noch um eine junge Krähe handeln musste, genaugenommen um eine Rabenkrähe, wie mich mein Naturführer lehrte.

Bei dem Versuch vogelicherseits, die unerwünschte Nähe zu mir etwas zu reduzieren, zeigte sich dann, dass das Tier flugunfähig war und zudem ordentlich humpelte.
Wir riefen dann bei der Wildvogelauffangstation an, die sich aber leider nicht zuständig fühlte (hä?), beim Vogelpark, der aber nur attestiert gesunde Vögel aufnimmt, und anschließend in der nächstgelegenen Tierklinik, die uns einige Auskünfte erteilen konnte.
So entschlossen wir uns dann, da die Tierklinik für uns Autolose leider nicht so leicht zu erreichen war, die Krähe erst nach dem Wochenende zum Tierarzt zu bringen.

Der Freund war nicht begeistert von dem Gedanken, sich dem Vogelvieh anzunehmen, besonders nicht, nachdem eine (Eltern?)krähe nachmittags schon einen beinahe tätlichen Angriff auf ihn verübt hatte.
Auch jetzt kreisten aufgeregt krächzende und kreischende schwarze Vögel über uns, und wir wussten nicht so recht, was tun.
Da wenige Meter weiter aber schon ein geköpftes Familienmitglied des Tieres lag, dachten wir, sitzenlassen ist nicht.

So holte ich dann vom Dachboden das Gitter des alten Rattenkäfigs, und das keine Sekunde zu spät, die schräg gegenüber wohnende Siamkatze saß schon drei Meter neben dem Federvieh und witterte einen zarten Snack. Nachdem der Freund den ganz offensichtlich flugunfähigen Vogel in eine baumbewachsene Ecke des Gartens getrieben hatte, bunkerten wir ihn also gemeinsam ein. Fand er nicht so toll, aber naja, besser als von der Nachbarskatze zerfleddert werden ist es allemal.
Es gab dann noch ein Schälchen mit Wasser und eins mit vom letzten Schützling verbliebenem eingeweichten
Igelfutter, und dann hofften wir, dass er die Nacht so gut übersteht.
Samstag und Sonntag gab es dann immer mal frisches Wasser und Futter, und wir waren erstaunt, dass sich der Vogel tatsächlich, ohne rabiat zu werden, von mir hochnehmen ließ. Ganz schön leicht und dünn, so ein Federknäuel.
Und gut, dass ihm noch niemand verraten hatte, wozu das Ding da in seinem Gesicht so gut ist.

Am Montag brachten wir ihn dann direkt am Morgen noch vor der Arbeit zur Tierärztin, die sich den Vogel besah, feststellte, dass ihm am Hintern eine Menge Federn fehlten und er recht abgemagert sei. Ansonsten war er aber gesund, und so stiefelten wir direkt im Anschluss zum nur zwanzig Minuten entfernten Vogelpark, wo er mit dem Versprechen angenommen wurde, eine Weile aufgepäppelt und dann wieder freigelassen zu werden.

Mit etwas Glück hat der kleine Langschnabel jetzt also noch rund zwanzig schöne Rabenjahre vor sich.

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Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, dass die Rabenkrähe noch blaue Augen hat. Die werden erst später braunschwarz, wenn das Tier mit rund einem halben Meter (!) Länge ausgewachsen ist.

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Usedom

Nun ist unser Ostsee-Urlaub schon zwei Jahre her, und ich habe euch bis heute noch nicht gezeigt, wie schön wir es da eigentlich hatten.
Wir waren zwei Wochen im (sehr nordischen) Spätsommer dort und haben auf einem tollen Naturcampingplatz gezeltet. Dieser befindet sich auf dem hintersten Zipfel einer Halbinsel, gut zwölf Kilometer vom nächsten kleineren Örtchen entfernt, das man nur über ein düsteres Waldstück und sich ewig ziehende, einsame Landstraßen erreicht.

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Da der Minimarkt auf dem Platz so spät im Jahr leider schon geschlossen hat, war unsere nächste Einkaufsmöglichkeit ein kleiner, etwa 15 Radminuten entfernter Bauernladen. Dort konnten wir aus Eigenherstellung Brot, Obst, Gemüse und Aufstriche kaufen, alles andere wurde mit prallgefüllten Fahrradtaschen im Örtchen besorgt.

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Vor Urlaubsbeginn hatten wir das zwanzig Jahre alte Zelt von J. zum Glück noch gegen ein großes 6 Personen-Tarp Tent ausgetauscht. So hatten wir praktisch eine kleine Wohnung dabei, in der wir nebst Schlaf- auch noch eine Klamotten-, Schuh- und Essensecke einrichten konnten, ohne dabei den Platz in der Mitte zu verlieren. Selbst das Anziehen im Stehen klappt in diesem riesigen Teil ganz wunderbar.
Da wir dort, so direkt am Achterwasser, den ein oder anderen Weltuntergang miterlebt haben, bei dem man das Zelt nicht hätte verlassen können, waren wir um den vielen Platz besonders froh.

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Ein besonderes Gimmick des Zeltplatzes ist seine Nähe zum Wasser, so stand unser Zelt keine 10 Meter davon entfernt.
Morgens konnte man so schon beim Frühstück die Seeluft schnuppern, während man am Abend direkt vom Zelt aus ein bombastisches Sonnenuntergangsfarbenspiel erleben konnte.

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An den Unwettertagen sah das dann so aus:

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In Zinnowitz:

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So sah es direkt hinter unserem Campingplatz aus, dort sind wir abends gern spazieren gegangen:
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Hier geht es zum kleinen Strand des Zeltplatzes:

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Zuletzt gab es soviel Sturm und Unwetter, dass alle bis auf uns mit ihren Behausungen weiter in den Wald hineinzogen. Seht ihr das kleine Graue da in der Bildmitte? Das sind wir. Erst in der letzten Nacht haben auch wir dann die Segel gestrichen, da es klang, als würden die Kiefern über uns jeden Moment das Zelt unter sich begraben. Soviel bedrohliches Knacken und Knarzen.

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Nach einem langen Radeltag habe ich dann tatsächlich einmal mit dem Vegetariertum gebrochen und ein ordentliches Wildsalamibrot gefuttert. Dazu eiskalte Himbeerlimonade. Und das alles in einem kleinen, sehr hutzeligen Privatgarten mit angrenzendem Café, in dem Katzen und Gänse wuselten und fröhliche, dicke Schweinchen sich nebenan im Schlamm suhlten.

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Das Kind, dass diese Zwiebel gemalt hat… Nun ja.

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Wir besuchten auch das Landwirtschaftsmuseum. Klingt vielleicht erstmal nicht so spannend, war aber ziemlich toll dort. Weil wir die letzten Gäste an diesem Tag waren, führte uns der Besitzer noch ganz persönlich herum, nahm uns mit auf die Geflügelwiese und deckte uns richtig ordentlich mit Gemüse ein. Als er hörte, dass wir aus dem Rheinland stammen, legte er auch noch einen Becher Grafschafter Zuckerrübensirup obendrauf, den er aus seiner privaten Vorratskammer holte. Unserer war  – als einer der liebsten Campingfrühstücksbestandteile – just an diesem Morgen ausgegangen, und wir waren im örtlichen Supermarkt leider nicht fündig geworden.
So fuhren wir mit Fahrradtaschen voller Kürbis, Pflaumen, Eier, Tomaten und weltbestem Frühstücksaufstrich nach Hause und haben uns sehr über soviel Gastfreundlichkeit gefreut.

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So sieht ein ordentlicher Kräutergarten aus:

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Nebelfeld auf der späten Heimfahrt.

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Richtig sonnige, heiße Tage hatten wir leider nur wenige, die wurden dann aber dafür in vollen Zügen genossen.

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Hier noch ein kleiner Blick hinter die Kulissen (ja, auf denen sind wir tatsächlich gefahren:

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